Das Kugellager: eine schüleraktive und kommunikative Unterrichtsmethode

1 Jun

Heute schreibe ich über eine Unterrichtsmethode, die ich gerne in Situationen anwende, in denen ein hohes Maß an Kommunikation zwischen den SchülerInnen erwünscht ist. Die Diskussion von neuen Inhalten ist damit genauso möglich wie die Wiederholung von bereits Besprochenem. Im Vordergrund dabei steht immer der Austausch zwischen den SchülerInnen. Ich beschreibe in diesem Artikel zwei Versionen der Unterrichtsmethode Kugellager und gebe am Ende ein paar Hinweise zur Vorbereitung und Durchführung von „Kugellager Stunden“.

Das Kugellager ist eine Unterrichtsmethode, bei der alle SchülerInnen gleichzeitig im Einsatz sind. Damit ist es eine absolut schüleraktivierende methode mit sehr hohem Potential, bringt aber auch die typischen Schwierigkeiten eines Unterrichts, in dem den SchülerInnen ein gewisser Spielraum gelassen wird. Um einen reibungslosen und geregelten Ablauf zu gewährleisten sind im Voraus genaue Überlegungen zur Organisation und Aufgabenstellung notwendig.

Bei der Organisation des Kugellagers bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Ich werde hier die klassische und eine alternative Möglichkeit vorstellen. Beide haben ihren eigenen Nutzen und Vor- sowie Nachteile. Auf die allgemeinen Merkmale des Kugellagers als Unterrichtsmethode und darauf, was für ein gutes Gelingen beachtet werden sollte, komme ich am Ende dieses Artikels zurück.


Die klassische Variante

Für die klassische Variante des Kugellagers wird im Klassenzimmer etwas Platz benötigt. Die SchülerInnen bekommen Aufgaben und stellen sich in einem Innen- und einem Außenkreis gegenüber. Jeder hat dabei einen Gesprächspartner. Sollen Notizen gemacht werden, muss sichergestellt werden, dass die SchülerInnen eine feste Unterlage zum Schreiben haben. Bei ausführlicheren Notizen ist allerdings eher die unten beschriebene Speed Date Variante des Kugellagers zu empfehlen.
kugellager klassisch 300x205 Das Kugellager: eine schüleraktive und kommunikative Unterrichtsmethode
Nach einem vorher festgelegten Rhythmus werden die gestellten Aufgaben zwischen den Partnern besprochen und auf ein vereinbartes Zeichen hin drehen Innen- und Außenkreis in gegensätzlicher Richtung einen Platz weiter. Eben ganz so wie ein Kugellager. So kommen neue Paare zustande, die wiederum im Gespräch an den gestellten Aufgaben arbeiten.

Die klassische Variante des Kugellagers eignet sich sehr gut für kurze Aufgaben, die hauptsächlich mündlich bearbeitet werden können. Im Englischunterricht ist dies zum Beispiel als Übung von Redemitteln der Fall. An die SchülerInnen können Rollen wie z.B. ‚Kellner und Gast’ oder ‚Tourist und Einheimischer’ verteilt werden und im Gespräch werden dann passende Situationen nachgespielt.

Im weiterführenden Unterricht bietet sich die klassische Variante außerdem als Mittel zur lockeren Wiederholung von detailliert bearbeiteten Themen an. Die SchülerInnen können dabei in Partnerarbeit angehalten werden sich das Thema und die Inhalte gegenseitig zu rezitieren, oder sie bekommen spezielle Aspekte eines Themas zugewiesen, die sie für ihren jeweiligen Partner genauer darstellen müssen.

Das Kugellager als Unterrichtsmethode lässt eine Menge Spielraum für Kreativität und kann flexibel an die unterrichtlichen Bedürfnisse der Klassensituation angepasst werden. Gerät man in den Bereich, wo eher ausführlicher und detaillierter gearbeitet werden soll ist die Speed Date Variante des Kugellagers zu empfehlen.



Die Speed Date Variante

Bei dieser Variante der Unterrichtsmethode ‚Kugellager’ stehen die SchülerInnen nicht im Kreis voreinander sondern sitzen sich an Tischen gegenüber. Sie sind durch das Setup mit Tisch und Arbeitsmaterial mehr als beim klassischen Kugellager in der Lage detailliert und intensiv zu arbeiten. Der Name kommt von der Assoziation zum Speed Date, da auch hier fixe Zeitintervalle einen Arbeitsrhythmus vorgeben. Die Zeitintervalle sollten der Aufgabe entsprechend, aber in diesem Rahmen relativ kurz gewählt sein um die SchülerInnen dazu zu bewegen pointiert und genau zu arbeiten.
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Die Aufgabenstellung bei der Speed Date Variante des Kugellagers ist im Vergleich zur klassischen Version meist etwas komplizierter und umfangreicher. Es bieten sich Inhalte die auch für ein gruppenpuzzle geeignet wären oder die detaillierte Wiederholung von bereits erarbeiteten Inhalten an.

In meinem Leseprojekt zu Nick Hornbys Buch „slam“ ist eine Unterrichtseinheit enthalten, bei der diese Form des Kugellagers eine zentrale Rolle spielt.


Anmerkungen zur Organisation

Damit das Kugellager (egal welche Variante) gelingt, muss die Aufgabe an der die SchülerInnen arbeiten sollen genau auf den Arbeitsprozess abgestimmt werden. Dies kann bei wenig Erfahrung mit der methode zunächst etwas abschreckend wirken, geht aber mit etwas Übung immer schneller von der Hand und ist mit Blick auf den Lernprozess, der sich bei einem gelungenen Kugellager ergeben kann jede Mühe wert.

Bei der Planung und Vorbereitung kann man ein paar Punkte wie eine Checkliste abarbeiten. Die Einteilung der SchülerInnen kann in den seltensten Fällen vollends zufällig passieren, sondern muss durch die Lehrperson im Zusammenhang mit der Ordnung zu Beginn des Kugellagers gesteuert werden. Ich handhabe es so, dass ich in der Regel die Sitzordnung gemeinsam mit der Aufgabenverteilung festlege. Es ist egal, welcher Schüler im Innen- oder Außenkreis steht. Aber es ist selten egal, welche Inhalte im Innen- und Außenkreis aufeinander treffen. Werden Arbeitsaufträge mit Innen- oder Außenkreis gekoppelt ist gesichert, dass die gewünschten Inhalte in der Arbeitsphase zusammenkommen. Als einfaches Beispiel aus der klassischen Variante können z.B. Rollenkarten mit Gast und Tourist bzw. Kunde mit dem Hinweis „Außenkreis“ und Kellner, Einheimischer bzw. Verkäufer mit dem Hinweis „Innenkreis“ versehen werden. Wird die Aufgabenstellung komplizierter, wird meistens auch die Platzverteilung komplizierter.

Des Weiteren sollte auf kurze Zeitintervalle geachtet werden. Je nach Komplexität der Aufgabenstellung muss natürlich Zeit gelassen werden um die Aufgabe sinnvoll bearbeiten zu können, die SchülerInnen sollen aber merken, dass zügiges Arbeiten ohne viel abschweifen angesagt ist. Allen SchülerInnen wird spätestens nach zwei bis drei Durchgängen klar, dass es für das Gespräch mit dem Partner bezüglich der Aufgabenstellung nur die eine Gelegenheit gibt. Wenn sie also nach dem Kugellager etwas abzuliefern haben oder ihre Notizen für die weitere Arbeit benötigen ist es notwendig in kurzer Zeit zum Ziel zu kommen. Durch kurze Zeitintervalle wird außerdem die Anzahl der Paarungen erhöht und damit motivierende Abwechslung im Arbeitsprozess geschaffen.

Die Kugellager Unterrichtsmethode zeichnet sich durch ein hohes Maß an Abwechslung bei gleichzeitiger Kontrolle über die Redundanz von Inhalten aus. Bei der Vorbereitung ist es wichtig die Abwechslung nicht durch dauernd wiederkehrende Inhalte zu schwächen. Es sollte also nach Möglichkeit darauf geachtet werden, dass die SchülerInnen nicht wiederholt mit gleicher Aufgabenstellung aufeinander treffen. Alternierende Inhalte sind demnach schon bei der Einteilung zu bedenken. Gleichzeitig ist das Kugellager aber eine Möglichkeit SchülerInnen als Experten eines Inhalts einzusetzen, den sie dann nach und nach jeweils einem/r anderen SchülerIn erläutern. Sie festigen dadurch ihr eigenes Thema deutlich („You learn what you teach“) und haben gleichzeitig die Abwechslung, dass ihnen verschiedene Themen von ihren Mitschülern erläutert werden.

Insgesamt ist das Kugellager eine methode, mit der ausgesprochen viel intensive und – bei guter Vorbereitung – produktive und effiziente Kommunikation im Unterricht erreicht werden kann. Ein in meinen Augen herausragender Vorteil der Methode ist die flexible Einsatzmöglichkeit. Von einer scheinbar banalen Aufgabe, die so zu einem interessanten und spannenden Arbeitsprozess verwandelt wird bis hin zu komplexen Erarbeitungen von Inhalten ist fast alles möglich.

Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, freue ich mich über deinen Kommentar.

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