Was bedeutet Freiarbeit?

2 Apr

Was bedeutet Freiarbeit? Die methode für den Unterricht geistert an vielen Schulen als Schlagwort durch die Klassen und das Kollegium. Es gibt aber scheinbar sehr viele verschiedene Formen der Freiarbeit bzw. sehr viele verschiedene Formen von Unterricht, die unter dem Schlagwort Freiarbeit stattfinden.
In diesem Artikel soll es darum gehen, was unter Freiarbeit verstanden werden kann und was diese Form der Unterrichtsgestaltung so besonders und empfehlenswert macht. Es werden grundlegende Dinge besprochen, die bei der Durchführung von Freiarbeit beachtet werden müssen und Tipps und Tricks für die Planung von Freiarbeit sowie Freiarbeits-Beispiele gegeben. Zuvor wird die methode der Freiarbeit vor dem didaktischen Hintergrund betrachtet, um für die Planung und Durchführung von Freiarbeit einen Rahmen zu stecken.

Lerntheoretischer Hintergrund
“Frei” für SchülerInnen
“Frei” für LehrerInnen




Der didaktische und lerntheoretische Rahmen von Freiarbeit

Freiarbeit als Sozialform für den Unterricht basiert auf der Erkenntnis, dass selbstbestimmtes Erarbeiten und Üben für das Lernen besonders fruchtbar ist. Das ‚Frei-‚ in der Freiarbeit steht in dieser Hinsicht im Zusammenhang mit der den SchülerInnen übertragenen Entscheidungsfreiheit. Sie selbst wählen aus einem Überangebot von gut strukturierten Arbeitsaufträgen, wobei sie ihre Entscheidung optimaler weise auf der Grundlage von Interesse und Notwendigkeit treffen.


‚Frei‘ für die SchülerInnen

Der Mensch ist von Natur aus neugierig und lernt am besten, wenn er dem Drang neues zu entdecken folgen kann. Der Lernerfolg bei Freiarbeiten basiert auf dieser Erkenntnis. Des Weiteren wirkt sich der Wunsch, mit Erfolg an den Arbeitsaufträgen zu arbeiten positiv auf die Motivation der SchülerInnen aus. Gut geplante Freiarbeit forciert die Möglichkeiten den SchülerInnen regelmäßiges positives Feedback zukommen zu lassen.
Wenn die Wahl der Arbeitsaufträge auf der Basis von Interesse passieren kann, ist der Grund für eine gesteigerte Motivation der SchülerInnen leicht nachzuvollziehen. Aber auch mit gut geplanter Freiarbeit können nicht immer exakt die Interessen der SchülerInnen bedient werden. Ein Blick in bedeutende Motivationstheorien zeigt, warum gute Freiarbeit dennoch eine förderliche Wirkung für Ehrgeiz und Arbeitswillen hat – das Schlagwort hier sind die anthropologischen Grundbedürfnisse (die Grundbedürfnisse des Menschen als solchem).
Die anthropologischen Grundbedürfnisse, die für Freiarbeit bedeutend sind, lassen sich in vier Unterpunkte gliedern. Jeder dieser Punkte kann in der Planung von guter Freiarbeit aufgegriffen und bedient werden, was grundsätzlich zu einem Gefühl der Erfüllung und gesteigertem Arbeitswillen bei den SchülerInnen führt. Die anthropologischen Grundbedürfnisse, die für gute Freiarbeit besonders bedeutsam sind, sind:
1. Neugier erfüllen – Durch möglichst interessant gestaltete Arbeitsangebote und Aufgaben wird die Neugier der SchülerInnen geweckt. Außerdem kann die Neugier, ob die Ergebnisse der erledigten Aufgaben korrekt sind, durch entsprechende Organisation der Freiarbeit gefördert werden.
2. Streben nach Autonomie – Menschen wollen ab dem Kindesalter selbstbestimmt Handeln. Es ist klar, dass eine Gesellschaft die Autonomie der Einzelnen mit gewissen Regeln in Grenzen halten muss um nicht in eine Anarchie zu verfallen. Autonomie bis zu einem gewissen Grad ist aber immer möglich, hilfreich und notwendig. Genauso ist es in der Schule. Ganz ohne Regeln und Vorgaben geht es nicht, die häufig sehr streng vorgegebenen Lerninhalte und Arbeitsformen zu Gunsten der Autonomie der SchülerInnen aufzubrechen kann im Hinblick auf deren Arbeitsmotivation und Ehrgeiz manchmal Wunder bewirken.
3. Streben nach Kompetenz – Jeder Mensch möchte sich in seinem Können bestätigt fühlen. Gut strukturierte Freiarbeit bietet den SchülerInnen eine Grundlage, um ihre Stärken besser kennenzulernen und schnelles, regelmäßiges und trotzdem individuelles Feedback zu ihrer Arbeit zu bekommen. Dadurch entwickeln sie ein gesundes und realistisches Bild ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Kompetenz und sind so in der Lage, sich auf ihre Stärken zu stützen während sie sich in ihren Schwächen langsam verbessern.
4. Streben nach sozialer Einbindung – Miteinander zu arbeiten statt immer allein und sich untereinander zu helfen bzw. Hilfe zu erfahren ist ein ganz menschliches Bedürfnis. In guter Freiarbeit erfährt das Miteinander eine besondere Rolle. Die SchülerInnen sollen soziale Einbindung und Wertschätzung erfahren und ihre MitschülerInnen diese spüren lassen. Ihr Ehrgeiz und ihre Motivation im Unterricht gute Leistungen zu erbringen werden so gefördert.

Werden die anthropologischen Grundbedürfnisse des Menschen bei der Planung von Freiarbeit im Auge behalten, wird in den Stunden der Durchführung bald ein sehr natürliches Lernklima erkennbar. Ein Lernklima in dem vielleicht manchmal der Anschein entsteht, dass es nicht so schnell voran geht, wie bei strukturiert angeleitetem Unterricht, in dem aber mit großer Wahrscheinlichkeit die gelernten Inhalte tiefer in die Köpfe der SchülerInnen eindringen. Die stark von intrinsischer Motivation angetriebenen Arbeitsformen der Freiarbeit lassen den SchülerInnen viel Raum für individuelle Entscheidungen. Ein für den einzelnen Lernenden individuell differenziertes Unterrichtsgeschehen mit persönlichem Arbeitstempo, selbst gesetzten Zielen und angepassten zu überwindenden Schwierigkeiten ist das Ergebnis von gut geplanter geübter Freiarbeit.
Der hier beschriebene Optimalfall ist ein Ziel, dass nicht von jetzt auf gleich gelingen kann. Auf der Seite der SchülerInnen braucht es viel Übung, mit der ihnen gegebenen Freiheit sinnvoll umzugehen. Auf Seiten der Lehrpersonen braucht es viel Geduld und eine transparente, klare Struktur die der Freiarbeit zu Grunde liegt. Denn für die Entfaltung der Potentiale, die in den SchülerInnen stecken braucht es Freiheit und Disziplin. Letztere ist unbedingt notwendig, damit aus der gewonnenen Freiheit ein durch Lernerfolg geprägtes Handeln hervorgeht.
Für eine transparente und einheitliche Struktur ist es am sinnvollsten einen Konsens zur Struktur der Freiarbeit innerhalb des gesamten Kollegiums zu finden, da so auch einfache fächerübergreifende Freiarbeits-Einheiten möglich werden. Die meisten LehrerInnen werden mir wahrscheinlich recht geben, dass Konsensfindung im Kollegium allerdings nicht immer einfach ist. Parallel zu diesem Artikel über Freiarbeit habe ich ein Beispiel zur Durchführung einer internen Lehrerfortbildung und Konsensfindung mit einem Zeitaufwand von gerade einmal einer Stunde veröffentlicht (leicht stauchbar, aber auch sehr gut dehnbar für mehr Detail). Die Ausführungen dazu inklusive der Materialien findet ihr bald hier im SchulBlog.

In diesem Artikel geht es auf der nächsten Seite weiter mit “Frei” für LehrerInnen

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One Response to “Was bedeutet Freiarbeit?”

  1. Carmen 10. Jun, 2011 at 12:17 pm #

    Freiarbeit ist eine gute Möglichkeit, die Schüler beim Lernen zu motivieren. Durch so gestaltete Arbeitsaufgaben wird die Neugier bei den Schüler geweckt und dadurch die Motivation. Somit ist das Ziel erreicht, denn nur motivierte Schüler lernen wollen.

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